Standort, Perspektive und künftige Ausrichtung der ASG |
| Gesellschaftliche Entwicklungen unterliegen einem stetigen Wandel, so daß immer wieder neue Prioritäten gesetzt werden müssen. Dies gilt auch für die ASG. Vor diesem Hintergrund wurde eine begrenzte mitgliederinterne Umfrage zur zukünftigen Ausrichtung der ASG durchgeführt. Auf der Grundlage der eingegangenen Stellungnahmen hat eine vom Vorstand einberufenen Redaktionsgruppe ein Positionspapier "Standort, Perspektive und künftige Ausrichtung der ASG" als Handreichung für den neuen Vorstand erstellt. Darauf aufbauend äußerte sich der neugewählte Vorstandsvorsitzende Dr. Hans-Hermann Bentrup auf der Herbsttagung 1998 zur zukünftigen Ausrichtung der ASG. Das nachfolgende Positionspapier soll als Diskussionsgrundlage dienen und will zur eigenen Meinungsäußerung auffordern. |
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Kritische Vorbemerkung |
| Die ASG sollte wieder zu einer Institution werden, auf die man hört, die einen produktiven Streit entfesselt und unverzichtbare Beiträge zur weiteren Entwicklung der ländlichen Räume leistet. |
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| Vorstand, Kuratorium und Arbeitskreise der ASG umfassen 60 Funktionsträger, ein Muster an Ausgewogenheit. Die ASG macht einem Dienstleistungsunternehmen alle Ehre, aber agrar-, gesellschafts- oder sozialpolitische Provokationen mit originärem Denken und produktive Ärgernisse hervorrufend darf man nicht erwarten. Der muntere, oft reißende Gebirgsbach ASG ist weit von der Quelle entfernt, hat auf seiner Reise viel Wasser von links und rechts aufgenommen und fließt heute breit und träge dahin. |
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Gründungsphase der ASG |
| Der Geist der Gründung war geprägt von unbeirrtem Einsatz für eine gerechtere ländliche Gesellschaft. Grundfragen der ländlichen Sozialordnung in einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung, die Integration von Landarbeitern und vertriebenen Bauern sowie die Einführung einer Alterssicherung für die gesamte bäuerliche Bevölkerung bestimmten die Arbeit der frühen ASG. Der einzelne Mensch und der Einzelbetrieb wurden dabei zwar stets als letztes Glied einer Kette gesehen. Doch wurden beide - der Mensch und der Betrieb - nicht isoliert betrachtet, sondern in die jeweils übergeordneten Zusammenhänge gestellt. |
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Standort, Orientierung |
| Heute will die ASG vor allem zum gleichberechtigten Umgang innerhalb der Gesellschaft mit den peripheren ländlichen Räumen und zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der ländlichen und landwirtschaftlichen Bevölkerung beitragen. Die Frage nach der Zukunft der Landwirtschaft kann nicht nur sektoral beantwortet werden, sie gehört zur integrierten Politik der Entwicklung ländlicher Räume. Aufgabenschwerpunkt sollte die Mitwirkung bei der Gestaltung der ländlichen Räume sein und bleiben. Gefragt ist ein robustes Management der ländlichen Räume mit einem tragfähigen Entwicklungsspektrum. |
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| In der Anwaltfunktion der ASG stehen klare Analysen der Situation und der Zielsetzungen am Anfang. Zu bestehenden Zielkonflikten muß sich die ASG objektiv äußern. Die steigende Bedeutung ökologischer Funktionen und struktureller Anpassung der Landnutzung, die Rolle der ländlichen Räume für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Lebensqualität und der Entwicklungsvoraussetzungen in Kernräumen der wirtschaftlichen Veränderungen sind hervorzuheben und in das allgemeine Bewußtsein zu bringen. Entsprechend sollte sich die ASG in den Entwicklungsprozeß der Agenda 21 einbringen. Wer spezifische Interessen der ländlichen Räume vertreten will, muß auch deren spezifische Leistungen für die Allgemeinheit deutlich machen. |
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| Ländliche Räume sind sehr heterogen. Die jeweiligen Standortbedingungen sind auf ihre Auswirkungen zu untersuchen, Vorzüge und Leistungen, aber auch Defizite und Probleme, sind deutlich zu machen. Ländliche Räume sind Wohn- und Wirtschaftsstandort, Produktionsgrundlage wettbewerbsfähiger Land- und Forstwirtschaft, naturnaher Erholungs- und ökologischer Ausgleichsraum und weisen eine kulturelle Eigenständigkeit auf. Die ökologischen Leistungen der ländlichen Räume sind für die gesamte Bevölkerung unverzichtbar, Natur und Landschaft können nicht importiert werden. Heimat kann man nicht globalisieren. |
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| In dem Maße, wie ökologische Leistungen der landwirtschaftlichen Betriebe die intensive Agrarproduktion ergänzen, dürften sich die unterschiedlichen Standorte in ihrer Leistungsfähigkeit für die Gesellschaft wieder einander annähern. Die ASG muß sich für solche Landnutzungskonzepte, eine neue Landeskultur, einsetzen und sie mehrheitsfähig machen. |
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Ländliche Entwicklung zur Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum muß auf folgende Hauptziele ausgerichtet sein:
- Schaffung und Sicherung eines guten Wohnumfeldes
- Schaffung und Sicherung einer standort-, umwelt- und marktgerechten Land- und Forstwirtschaft
Sicherung eines nachhaltig leistungsfähigen Naturhaushaltes
- Schaffung eines ausreichenden Angebots außerlandwirtschaftlicher Erwerbsmöglichkeiten und Dienstleistungen
- Erfüllung übergeordneter Funktionen, zum Beispiel naturgebundene Erholung und Freizeit in der Landschaft.
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In einigen Bundesländern vollziehen sich neue Weichenstellungen der Regional-, Umwelt- und Agrarpolitik. Erholungs- und Ausgleichsfunktionen des ländlichen Raumes treten deutlicher neben seine Funktionen als Wohn- und Wirtschaftsstandort. Dieser Paradigmenwechsel, die geänderten Zielsetzungen der in ländlichen Räumen lebenden Menschen sollten von der ASG stärker herausgearbeitet und weiterentwickelt werden, um sie als Anwalt wirksam zu vertreten. An der Zieldiskussion sollte auch die moderne Landwirtschaft beteiligt sein.
- Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe in ländlichen Räumen, Bündnispartner zum Handeln befähigen
- Naturschonende, landschaftspflegende und damit auch arbeitsaufwendige Landnutzung muß entsprechend honoriert werden. Die ASG sollte sich für Rahmenbedingungen stark machen, die besser auf dieses Ziel orientiert sind.
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Öffentlichkeitswirkung verstärken |
| Der Stellenwert und die Attraktivität der ASG sind nur zu steigern, wenn sie sich meinungsbildend in Entscheidungsprozesse einmischt. Dafür bedarf es einer breiten Unterstützung in Ämtern, Verwaltungen, politischen Gremien und berufsständischen Organisationen. Die ASG sollte bei beruflich Aktiven eine breite Unterstützung suchen, evtl. auch eine “Mitgliederoffensive“ starten. Mitglieder sollten auch in konkreten Situationen vor Ort ein Engagement der ASG vermitteln. |
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Der begonnene Weg des Aktionsbündnisses muß konsequent weiter verfolgt werden, um Gemeinsamkeiten zu erarbeiten und mit einer Stimme in der Öffentlichkeit zu vertreten. Das Bündnis muß für weitere Partner offen sein.
- Arbeiten der ASG müssen in der Öffentlichkeit ein stärkeres Gewicht erlangen: die ASG muß als Sachwalter der ländlichen Räume bei den Bürgern zu einem Begriff werden.
- Neben zentralen Großveranstaltungen sollte die ASG verstärkt regionale Angebote machen. Ein besonderer Akzent könnte dann auch ein staatenübergreifender Ansatz mit Erfahrungsaustausch, z. B. nach Dänemark, Polen, Österreich usw. sein, auch Kooperationen mit vergleichbaren Organisationen in europäischen Ländern.
- Die Präsenz in der Öffentlichkeit sollte über die Internationale Grüne Woche sowie die Frühjahrs- und Herbsttagungen hinausgehen.
- Die ASG muß sich öfter zu aktuellen Themen äußern und dies “verkaufen“.
- Ideenwettbewerbe in Schulen, bei Politikern, im öffentlichen Leben zur ASG.
- Gezielte Öffentlichkeitsarbeit mit attraktiven Veranstaltungen.
- Offene Diskussion über strittige Standpunkte und mutige Auseinandersetzung mit kritischen Fragen, auch radikale Vorschläge, beharrliche Bewußtseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit über den Kreis der Mitglieder hinaus, damit sie bei der Mehrheit der ländlichen Bevölkerung, auch der nichtlandwirtschaftlichen, die nötige Beachtung findet und Freunde gewinnt.
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Forumsarbeit |
- Die ASG sollte als Forum für Information, Aufklärung, Vision für verschiedene Gruppierungen dienen
- Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in ländlichen Räumen fördern
- Verständnis füreinander wecken
- Regionalplanung und Regionalentwicklung verknüpfen, Regionalkonferenzen, Entwicklungsgruppen, Leitbilder entwickeln
- Unterschiedliche Gruppierungen zusammenbringen
- Vorbereitung auf Weltmarkt, Erschließung von Exportmärkten, zugleich regionale Chancen stärken (Vermarktungsstruktur, Zusammenarbeit, Verbraucher über Lebensmittel, Naturschutz, Tierschutz informieren)
- Wettbewerbsstrategie unter Beteiligung von Land- und Ernährungswirtschaft, Wissenschaft, Verbrauchern, Politik, Medien konzipieren
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Zukunftsorientiertes Denken fördern |
- Landwirtschaft wird sich zunehmend am Markt orientieren müssen, Förderung von Innovation und Marketing
- mehr Breite und Tiefe in der landwirtschaftlichen Produktion und Vermarktung: Einbeziehung von Dienstleistungen und ländlichem Tourismus
- Wettbewerbssituation verbessern, konsequente Nutzung von Neuerungen, Bevölkerung/Verbraucher aufklären
- Vorbereitung auf Wissens- und Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts
- Bildung, Ideenbörse, neue Arbeitsplätze
- Deregulierung im agrarsozialen Bereich, für flexible, vereinfachte Entscheidungen
- Zur Verantwortung befähigen, denn Verantwortung gibt dem Leben einen Sinn; Vereinswesen stärken
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Vorschläge zur Stabilisierung der sozialen Sicherung |
| Angesichts einschneidender Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und der demographischen Struktur der Bevölkerung sollte die ASG Vorschläge unterbreiten, die zur nachhaltigen Sicherung des Generationenvertrages beitragen. Sie sollte sich dabei nicht allein auf die agrarsoziale Sicherung begrenzen. |
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| Ausrichtung der Europäischen Agrarpolitik |
| In der Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik wie auch der Förderung ländlicher Räume im Rahmen der Agenda 2000 sollte die ASG sich nachdrücklich als Fürsprecher peripherer ländlicher Räume und der Landwirtschaft engagieren. |
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Junge Menschen für ländliche Räume und ASG aktivieren |
Die ASG sollte eine bessere Verbindung zu jungen Menschen aufbauen, um
- Nachwuchs zu fördern
- deren Probleme in ländlichen Räumen aufzugreifen:
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- Arbeitslosigkeit
- Bildung und Weiterbildung
- Wertewandel im Sinne der Jugend
- Übernahme von Verantwortung (Ehrenamt)
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| Die personelle und finanzielle Situation der ASG verlangen einerseits eine breitere Basis und andererseits Prioritäten, worüber in den Gremien der ASG diskutiert werden muß. |
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